Afrikanische Filmtage 2017

Liebe Freunde des afrikanischen Kinos,

seit 2001 werden die Afrikanischen Filmtage jährlich von der Fachrichtung Romanistik / Interkulturelle Kommunikation, dem Frankreichzentrum der Universität des Saarlandes, dem Kino 8 ½ sowie dem xm:lab der HBKsaar und Haus Afrika e.V. organisiert und durchgeführt. Im Zentrum steht das zeitgenössische afrikanische Filmschaffen, insbesondere des subsaharischen Afrikas. Jedes Jahr werden aktuelle Filme aus Afrika präsentiert und Filmemacher sowie Darsteller dazu eingeladen, ihre Werke mit dem Saarbrücker Publikum zu diskutieren.

Mit den Afrikanischen Filmtagen werden vor allem drei Ziele verfolgt:

  • Die interdisziplinäre wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem afrikanischen Filmschaffen
  • Der interkulturelle Dialog zwischen Afrika und Europa
  • Der Transfer und Dialog zwischen Universität, Kulturschaffenden und Zivilgesellschaft

 

Die Afrikanischen Filmtage sind eingebunden in verschiedene Forschungskontexte der beteiligten Hochschulen:

An der Universität des Saarlandes schließen sie an die kultur- und medien­wissenschaftliche Forschung zur Frankophonie in der Fachrichtung Romanistik / Interkulturelle Kommunikation an. Zusammen mit der Universität Bayreuth, die als zentraler Kooperations­partner ein Schwester-Festival zu den Afrikanischen Filmtagen in Bayreuth organisiert, gehört die Universität des Saarlandes zu den wichtigsten Kompetenzzentren für die Erforschung des afrikanischen Kinos in Deutschland.

Seitens der HBKsaar stellt das Filmfestival eine besondere Gelegenheit dar, in Form von Masterclasses mit eingeladenen RegisseurInnen intensive Einblicke in den filmischen Schaffens­prozess zu erhalten. Die Auseinandersetzung mit den vielfältigen Bild- und Erzähl­kul­turen des afrikanischen Kinos spielt zudem in medientheoretischen Lehrver­ansta­l­tungen eine Rolle. Hinzu kommt das Engagement vor Ort in forschungsbasierten Koope­rationen, die das visu­elle Experiment im Kontext einer sich radikal wandelnden Medienproduktion unter­suchen.

So sind die Afrikanischen Filmtage sowohl ein fester Bestandteil der universitären Lehre als auch Anlass zu wissenschaftlichen Ausein­andersetzungen in zahlreichen Publikationen. Zum 10-jährigen Jubiläum der Afrikanischen Filmtage wurde 2015 ein internationales Kolloquium zum „Transkulturellen Dynamiken im afri­kanischen Kino“ durchgeführt.        

Viel Spaß im Kino!

Das Team der Afrikanischen Filmtage

Chers amis du cinéma africain,

Cette année encore, les Journées du Cinéma Africain invitent le public sarrebruckois à découvrir des films africains récents et à venir discuter avec des gens du cinéma.

Bon cinéma !

L’équipe des Journées du Cinéma Africain

Donnerstag, 16.11.2017, 19.00 Uhr – Eröffnung / L'Orage Africain

Donnerstag, 16.11.2017, 19.00 Uhr – Eröffnung / L'Orage Africain

(de) Der Präsident des imaginären afrikanischen Landes Tangara beschließt, alle ausländischen Firmen zu verstaatlichen, um die Gewinne aus Erdöl, Diamanten- und Goldminen dem eigenen Land zu Gute kommen zu lassen. Seitens der westlichen Unternehmen regt sich Widerstand und ein unerbittlicher Kampf beginnt… Statt Fälle illegitimer Landnahme und Vertreibung sowie den Widerstand von Betroffenen nur zu dokumentieren, imaginiert L’ORAGE AFRICAIN am Beispiel eines fiktiven afrikanischen Staates, wie sich der Ausverkauf des Kontinents stoppen ließe. Nach landesweiten Konsultationen stellt der Präsident von Tangara (gespielt von Regisseur Sylvestre Amoussou) ausländische Unternehmen unter nationale Kontrolle und verbietet zudem den Verkauf von Land. Auf die Beschwerden von weißen Minenbetreibern, sie hätten die Förderung von Öl und Diamanten mit ihrer Technologie erst ermöglicht, gibt er die Antwort: Ja, aber die Rohstoffe kommen aus unserem Boden! Der Film ruft dazu auf, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen, um wirklich unabhängig zu werden. Für seine ermutigende politische Perspektive wurde der Film beim FESPACO 2017 in Ouagadougou mit dem zweiten Preis bedacht und vom afrikanischen Publikum begeistert gefeiert (Filme aus Afrika).

(fr) Le Président de la République d'un pays africain imaginaire, qui souffre de voir les richesses naturelles de son pays uniquement exploitées par des entreprises occidentales, décide de nationaliser tous les moyens de productions installés sur son territoire par des étrangers : puits de pétrole, mines d'or, de diamants, etc. Évidemment, les Occidentaux apprécient peu : "C'est nous qui avons foré ces puits, nous qui avons creusé ces mines" ! Les Africains répondent : "Exact, mais c'est notre sous-sol" ! Un combat féroce s'engage alors, où tous les coups sont permis. Surtout ceux qui sont interdits. Qui va gagner ? Cette histoire, bien sûr, est une fiction. Pour l'instant. Mais allez savoir… (AfriCiné)

Benin / Frankreich 2016, OmeU, 89 Min

Regie / Drehbuch: Sylvestre Amoussou; mit Sandrine Bulteau, Eriq Ebouaney

Der Regisseur wird zur Diskussion anwesend sein.

Im Anschluss lädt Haus Afrika zu einem Umtrunk mit Imbiss im N.N. Nauwieser 19 ein.

Après la discussion Haus Afrika e.V. vous invite à une réception.

Freitag, 17. November 2017, 18.00 Uhr - Vortrag

Freitag, 17. November 2017, 18.00 Uhr - Vortrag

"Mehr Gemeinsames als Trennendes?

Die Afrikapolitiken Frankreichs und Deutschlands im Vergleich"

Vortrag mit Diskussion in der Stiftung Demokratie Saarland

Vortrag:

Prof. Dr. Stefan Brüne

Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e. V., Berlin

Moderation:

Dr. Sylvère Mbondobari

Universität Omar Bongo, Libreville, Gabun / Universität des Saarlandes

Gastgeber:

Prof. Dr. Dietmar Hüser, Frankreichzentrum der Universität des Saarlandes

Stiftung Demokratie Saarland

Die historischen Voraussetzungen könnten unterschiedlicher kaum sein: Während die ehemalige Kolonialgroßmacht Frankreich vor der Herausforderung steht, ihr kolonial überkommenes Erbe zukunftsbezogen zu modernisieren - und dabei aktuelle Entwicklungen im „frankophonen“ Afrika militärisch, wirtschaftlich und kulturell zu beeinflussen sucht - , dominieren in Deutschland, das seine afrikanischen Kolonien 1918 verlor, Zurückhaltung und wohlmeinend allgemeine Absichtserklärungen. Unterdessen wächst der Druck auf ein innereuropäisch abgestimmtes afrikabezogenes Außenhandeln. Verfolgen Frankreich und Deutschland in Afrika gemeinsame Interessen?

Frankreichs Präsident Macron, dessen jüngste Entschuldigung für französische Kolonialverbrechen in Paris von konservativen Kritikern als Verrat und Schande kritisiert wurde, hofft auf Europa. Es gelte - auch verteidigungsbezogen - eine gemeinsame strategische Kultur zu entwickeln. Macron befürwortet europäische Interventionstruppen. 2020 soll es einen gemeinsamen europäischen Verteidigungshaushalt geben.Zugleich stellt sich die Frage des Umgangs mit autoritär verfassten Regimen. Mit UN-Friedensmissionen befasste Politiker haben Frankreich aufgefordert, die überkommene Praxis militärischer Auslandsinterventionen konzeptionell zu überdenken.

Unter welchen Voraussetzungen macht das - nach langem Zögern - beschlossene Zusammenwirken französischer und deutscher Militärs in Mali Sinn? Was, exakt, bewirkt man vor Ort? Wäre ein verstärktes zivilgesellschaftliches Engagement sinnvoller?

Freitag, 17.11.2017, 20:30 Uhr - Félicité

Freitag, 17.11.2017, 20:30 Uhr - Félicité

(de) Nachts unterhält die freigeistige Félicité die Menschen in einer Bar in Kinshasa mit ihrer rauen Stimme, tagsüber arrangiert sie sich mit ihrem entbehrungsreichen Alltag. Als ihr Sohn bei einem Motorradunfall schwer verletzt wird, muss sie viel Geld für eine Operation auftreiben. In dem kraftvollen Porträt der Sängerin, das zugleich das Leben in der Republik Kongo skizziert, prallen Lebensfreude und Solidarität auf Gewalt, Korruption und Mitleidlosigkeit.Alain Gomis hat einen Film und eine Figur geschaffen, von denen eine kraftvolle Unmittelbarkeit ausgeht, die sich nicht nur der Kamera verdankt, die so geschickt an den Menschen klebt, und auch nicht nur der Tonspur, die von quirliger Lautstärke zur alles einebnenden Ruhe wechselt.Es ist die Schauspielerin Véro Tshanda Beya, die einen ergreift, wenn ihre Figur ihr Schicksal mit einer den Umständen geschuldeten Unerbittlichkeit anpackt. Dazu passt ihr stoisch-spöttisch sich verschließendes Gesicht, auf das sich dank Tabu, dank Samo und dank der Musik immer wieder ein Lächeln schleicht. (Kathrin Häger, FILMDIENST 2017/20)

Frankreich / Senegal / Belgien / Deutschland / Libanon 2017, OmU, 123 Min

Regie und Buch: Alain Gomis, Kamera: Céline Bozon, Musik: The Kasaï Allstars, Darsteller: Véro Tshanda Beya, Gaetan Claudia, Papi Mpaka

Samstag, 18.11.2017, 20 Uhr - A Ilha dos Cães

Samstag, 18.11.2017, 20 Uhr - A Ilha dos Cães

(de) Der Film ist eine Adaption des Romans Os senhores do areal (Meister des Sandes) des angolanischen Schriftstellers Henrique Abranches, dessen Handlung sowohl in der Gegenwart wie auch der Kolonialzeit Portugals spielt. Erzählt wird die Geschichte einer Insel (Insel der Hunde), auf der Kolonialismus und Ungerechtigkeit jahrelang regierten; jetzt wird dort ein Urlaubresort gebaut und Tourismus ohne Rücksicht auf die Bewohner gefördert. In der Kolonialzeit wurden in der Festung auf der Insel politische Gefangene inhaftiert, heute soll die Festung als historische Kulisse für den Tourismus dienen. Nur die wilden Hunde, die schon immer auf der Insel lebten und immer noch gefürchtet werden, scheinen allen Veränderungen zu trotzen und ihren Lebensraum zu verteidigen - sie sind Symbole der Kraft der Natur und des Widerstands gegen Unterwerfung.

Portugal / Angola 2017, OmeU, 77 Min

Regie: Jorge António, Buch: Virgílio Almeida, Jorge António, Kamera: Tony Costa, Musik: José de Castro, Schnitt: Filipe Roque do Vale, Darsteller: Ângelo Torres, Miguel Hurst, Nicolau Breyner

Der Darsteller Angelo Torres wird zur Diskussion anwesend sein.

Sonntag, 19.11.2017, 20 Uhr - Les Hommes d'argile

Sonntag, 19.11.2017, 20 Uhr - Les Hommes d'argile

(de) Sulayman, ein Waisenkind in Obhut eines alten Eremiten, lebt in der tonhaltigen Region Marokkos. Der naturverbundene Hirte verliert sein Herz an Kadij, Tochter eines Kaid, dem Führer einer einflußreichen Region des Landes. Das nach Macht gierende Oberhaupt lehnt die Heirat seiner Tochter mit einem armen Bergjungen ab. Zudem wird Sulayman nach Ausbruch des 2. Weltkriegs zum Eintritt in die französische Armee gezwungen. Als metaphysische Erzählung über die vergessenen Kämpfe der Nordafrikaner an der Seite der Alliierten im 2. Weltkrieg sucht LES HOMMES D’ARGILE (MEN OF CLAY) nach poetischer Schönheit inmitten des Grauens.

Marokko / Belgien / Frankreich, 2015, F, 105 Min, OmeU

Regie und Buch: Mourad Boucif, Luc Jabon

 

Der Regisseur wird zur Diskussion anwesend sein.