Frans Masereel - Idée de paix


SS 2022
Bildausschnitte aus dem Originalwerk von Frans Masereel © Collage bildware.net | Frans Masereel Stiftung

FRANS MASEREEL - Idée de paix  

Eine Kooperation zwischen K8, der Frans Masereel Stiftung und dem Musée National de la Résistance et des Droits Humains (MNR - Nationales Museum für Widerstand und Menschenrechte), Esch-sur-Alzette (LU) im Rahmen von Esch2022 - Europäische Kulturhauptstadt.

 

Ort + Termine

Musée National de la Résistance et des Droits Humains
Place de la Résistance, L-4041 Esch-sur-Alzette, Luxemburg

30.04.22 Öffnung für das Publikum

11.05.22 Vernissage

Was gibt es Schrecklicheres als den Krieg? Gibt es Dinge, die idiotischer und verbrecherischer sind als er? Wie kann man vor einer derartigen Ungeheuerlichkeit gleichgültig bleiben? Was kann man gegen diese Geißel der Menschheit tun, die sich von Tag zu Tag in der grauenvollen Kunst des Tötens perfektioniert? Das sind Fragen, die sich viele menschliche Wesen stellen, wenigstens die von uns, deren Hirn noch arbeitsfähig ist. Der Künstler kann – leider – nichts als Zeuge sein, erzählen oder zeichnen, was er hörte oder sah. Ist es nicht ein Werk für den Frieden, die Schrecken des Krieges zu zeigen?

Frans Masereel in: Krieg und Gewalt, Hanau, 1968

 

 

Idee des Friedens

Henrik Elburn, Peter Riede – kuratorisches Konzept | Henrik Elburn, Tobias Turco – technische Koordination, Realisierung | Julia Hartnik, Aude Poilroux – allgemeine Koordination, Organisation | Agnès Lotton – Kommunikation, Übersetzung | Soenke Zehle – Beratung, Übersetzung

Die Ausstellung „Frans Masereel – Idee des Friedens“ zeigt Werke des belgischen Künstlers Frans Masereel (1889–1972) und dokumentiert seine lebenslange Auseinandersetzung mit Krieg, Unterdrückung, Verfolgung, Vertreibung und Widerstand als grundlegende existenzielle Erfahrung.

Masereels visueller Humanismus verarbeitete die traumatischen Erlebnisse der Soldaten, deren Briefe er für das Rote Kreuz in Genf übersetzte, und sein „unendliches Auge“ (Stefan Zweig) erkundete die europäischen Metropolen, die von einer kulturell und politisch aufgeklärten Menge belebt wurden. In seinen fast 800 Zeichnungen für die Schweizer Zeitung La Feuille entwickelte Masereel nicht nur einen wegweisenden Stil, der seine späteren grafischen Erzählungen zu bahnbrechenden Werken des visuellen Erzählens werden ließ. Er trug auch zur Entstehung eines hybriden Genres im Journalismus bei, dessen Wirkung von Zeitgenossen in ganz Europa anerkannt wurde.

Die Ausstellung präsentiert mit Originalwerken und Reproduktionen von Arbeiten des belgischen Künstlers die stilistische und inhaltliche Bandbreite seiner künstlerischen Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Ursachen, den Opfern und den Gräueltaten des Krieges und versteht sich als Vehikel von Frans Masereels lebenslangen Eintretens für den Frieden. Sie verbindet dabei klassische Ausstellungselemente - Holzschnitte, Zeichnungen, Gemälde – mit interaktiven, multimedialen Stationen, die zu aktivem Erleben und Erforschen der umfassenden Ausstellungsinhalte und -themen einladen:

 

 

ARCHIVSTATION „122 JAHRE KRIEG UND KÜNSTLERISCHER WIDERSTAND“

Henrik Elburn, Julia Hartnik - Gesamtkonzept | Anne Funck (Büro Anne Funck), Melisa Kujevic - Recherche / Inhalte / kuratorische Auswahl | Alena Bauer, Daniel Hargesheimer, Chris Kaiser, Jo Künnemann ( kleerly GmbH) - Software-Entwicklung

In den vergangenen 120 Jahren ist kaum ein Tag vergangen, an dem nicht irgendwo auf der Welt Menschen Krieg geführt oder Konflikte gewaltsam ausgetragen haben. Im Kontext der Ausstellung wurden von K8 Institut für strategische Ästhetik tiefgreifende Recherchen zu dem Thema „120 Jahre Krieg und künstlerischer Widerstand“ durchgeführt.

Die Rechercheergebnisse werden für die Dauer der Ausstellung „Idee des Friedens“ vor Ort über einen hochaufgelösten (4K) Multitouch-Tisch sowie ortsunabhängig über ein browserbasiertes Webarchiv der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Das Archiv bietet die Möglichkeit, in die überwältigende Vielzahl an Konflikten, aber auch die beeindruckende Vielfalt künstlerischen Widerstands einen Einblick zu erhalten.

Mit der Archivstation „120 Jahre Krieg und künstlerischer Widerstand“ soll den Besucher:innen der Ausstellung über den Multitouch-Tisch ebenso wie Fachleuten, Studierenden und Interessierten über die browserbasierte Web-Ausspielung die Möglichkeit gegeben werden, im Austausch mit den Archivinhalten, aber auch mit anderen Nutzer:innen das Ausmaß an Gewalt, Zerstörung und Leid von Krieg und gleichzeitig die Kraft und den Mut der widerständigen Haltung von Künstler:innen unterschiedlichster Regionen, Epochen und Stilrichtungen zu erfahren und sich damit auseinanderzusetzen.

 

IMMERSIVE 3D-INSTALLATION „ALTERNATIVE REALITÄTEN“

Henrik Elburn (visual design, Recherche) | Simon Gorzelnik (technical hardware) | Gian-Luca Kiefer (software development) | Frederik Joachim (technical hardware) | Marcel Köster (software development) | Melisa Kujevic (visual design, research) | Simon Pähler (user testing) | Jonas Schöner (software integration) | Christine Schößer (visual design) | Jan Tretschok (software integration) | Tobias Turco (technical hardware) | Sebastian Wachs (visual design) 

Die mit einer Gestensteuerung ausgestattete Station bietet die Möglichkeit, die von Frans Masereel in verschiedenen Werken imaginierten Bildräume genauer zu betrachten. Diese Erfahrung schafft Einblicke in Masereels Umgang mit Raum und hebt die bereits in ihren zweidimensionalen Grafiken betonte Räumlichkeit einzelner Bilder hervor. Sie führt den/die Besucher:in zu  Orten der Zerstörung und des Todes in Kriegszeiten und des (Wieder-)Aufbaus von Größe und Macht in Friedenszeiten und zeigt so die ganze Ambivalenz menschlichen Wirkens. Der/die Spaziergänger:in gelangt aber auch in ländliche Gegenden, wo bescheidene menschliche Behausungen sich in das organische Wachsen der Natur einfügen – eine Idee des Friedens?!