Aneignung
Auf der anderen Seite des Traumas
WS 2025/26
Studierende
Projektbetreuung
Studiengänge
Das künstlerische Projekt Aneignung untersucht die Transformation geteilter traumatischer Erfahrungen in eine selbstbestimmte gestalterische Identität. Ausgangspunkt der Arbeit ist die Reflexion über das Aufwachsen dreier Schwestern im selben Zimmer, die trotz identischer familiärer Belastungen völlig unterschiedliche Persönlichkeiten entwickelt haben.
Anstatt Trauma als einen Defekt zu betrachten, der „geheilt“ oder entfernt werden muss, verfolgt dieses Projekt einen radikalen Ansatz der Inbesitznahme. Theoretisch fundiert durch C.G. Jungs Konzept der Individuation und Schattenarbeit, werden traumatische Reaktionen nicht als Schwäche, sondern als „wesenhafte Qualitäten“ und persönliche Stärken begriffen.
Methodisch basiert die Gestaltung auf einer partizipativen Zeichen-Session, in der die individuellen Emotionen von Fatima, Latifa und Reem in textile Konzepte übersetzt wurden. Das Ergebnis sind drei textile Arbeiten, die als „zweite Haut“ fungieren:
Fatima (Wut/Schutz): Eine Rüstung aus feuerversiegelten Organza-Flammen.
Latifa (Konfusion/Hinterfragen): Eine Leinenweste mit einem Woll-Labyrinth, das die Schönheit
ungelöster Fragen thematisiert.
Reem (Hoffnung/Resilienz): Florale Strukturen und warme Erdtöne, die Überfluss inmitten der
Leere symbolisieren.
Den Abschluss bildet ein fotografisches Porträt von Lukas Ratuis, das die Schwestern in einer klassischen Familienpose vereint. In dieser Inszenierung tragen sie ihre Geschichte als stolze Besitzerinnen direkt auf der Haut. Das Projekt beweist, dass Design ein Werkzeug der Selbstermächtigung sein kann, indem es Schmerz in eine komplexe, kraftvolle Identität überführt.