Einander sehen, irgendwie
SS 2025
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Die Bachelorarbeit „Einander sehen, irgendwie“ bildet eine raumgreifende Installation aus vier textilen Zelten, die im Foyer der HBKsaar zu sehen waren. Im Zentrum der Arbeit steht die Auseinandersetzung mit Grenzen – zwischen Innen und Außen, Selbst- und Fremdwahrnehmung. Die Zelte sind offen, Übergänge sind möglich und Grenzen verschiebbar, wie auch in unserer alltäglichen Kommunikation. Ausgangspunkt für die Gliederung in die vier Zelte ist das psychologische Modell des Johari-Fensters, das vier Bereiche menschlicher Wahrnehmung beschreibt: Öffentlichkeit, blinder Fleck, Geheimnis und Unbekanntes. Die Offenheit der Zelte bildet die vier Wahrnehmungsräume nicht als starre Felder ab, sondern macht sie als Schwellenräume erfahrbar: Orte, an denen Rollen, Zuschreibungen und Sichtweisen temporär aufgehoben werden können. Die textilen Patchwork-Zelte, funktionieren wie begehbare Banner: reduziert in Schwarz-Weiß, mit klaren grafischen Formen und einzelnen Worten sind sie für die Fernwirkung konzipiert. Außen markieren die Pronomen „WE“, „YOU“ oder „ME“ den jeweiligen Kommunikationsraum. Innen laden transparente Stoffe mit genähten Karten, Schriftfragmenten und Symbolen dazu ein, sich Bedeutungen selbst zu erschließen. Die Motive sind bewusst offen gehalten, sodass jede*r Betrachtende eigene Assoziationen entwickeln kann. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung versteht sich die Arbeit als Gegenmodell zu einer Kommunikation, die oft auf Eindeutigkeit und Selbstinszenierung reduziert ist. Stattdessen eröffnet sie einen temporären Raum der Offenheit – für andere Perspektiven, für Empathie, für gemeinsames Verstehen.
Die Installation zielt nicht auf klare Antworten oder die Vermittlung von Fakten. Vielmehr lädt sie dazu ein, Übergänge, Widersprüche und Zwischenräume bewusst zu erleben. Innen und Außen stehen hier nicht im Gegensatz, sondern spiegeln einander. Kommunikation wird als Prozess erfahrbar.