Format und Katastrophe
SS 2025
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In der Logik digitaler Medien unterbricht die Katastrophe nicht den Fluss der Inhalte – sie wird selbst zum Inhalt (Content). Bilder von Zerstörung erscheinen nicht außerhalb des Systems, sondern als Teil eines fortlaufenden Updates. Was aber passiert, wenn dieser Fluss kippt – wenn sich alles überlagert, glitcht, löscht und überschreibt? Wie könnte ein Ort der digitalen Katastrophe aussehen, der nicht Ordnung wiederherstellt, sondern neue Bedingungen für Wahrnehmung und Bedeutung innerhalb digitaler Interfaces schafft?
Dieses Projekt untersucht die Bildkultur des Internets durch die Metapher der Baustelle – als Ort des Übergangs, provisorisch, unvollendet, der Stabilität suggeriert, aber nie ganz abschließt. Die Baustelle verweist auf eine Struktur im Entstehen. Demgegenüber steht das Internet als ein Archiv in Bewegung: ein endloser Bildstrom, in dem Inhalte nicht gesammelt, sondern kontinuierlich reformatiert, neu gerahmt und in andere Kontexte überführt werden. Die Installation übersetzt digitale Prinzipien wie Kompression, Fragmentierung oder Interface-Logik ins Räumliche. Entstanden sind Objekte, die digitales Erleben materialisieren – angelehnt an etwa Pop-up-Werbung, Clickbaits, Scrolling, Zoom-Ins und das Verschieben von Tabs. Dabei tritt das Format selbst in Erscheinung.
Die Arbeit geht der Frage nach, wann genau eine digitale Katastrophe ihren Anfang nimmt. Ist es der Moment, in dem Inhalte in starre Raster gezwungen werden? Wenn das Design die Bedeutung verdrängt? Oder wenn das Format, das eigentlich
ordnen soll, zu rauschen beginnt?
Screenshots von verwaisten Websites, statischen HTML-Seiten, YouTube-Fragmenten und veralteten Website-Bannern dokumentieren eine digitale Gleichzeitigkeit: Vergangenes und Gegenwärtiges, Triviales und Dringliches erscheinen nebeneinander in
For-you-Pages von sozialen Medien – eingebettet in identische strukturelle Raster. Diese visuelle und semantische Vereinheitlichung prägt unsere Wahrnehmung grundlegend. Was bedeutet es, wenn Dringlichkeit, Trivialität und Intimität in denselben Layouts auftauchen? Welche Auswirkungen hat diese Formatgleichheit auf unsere Fähigkeit, zwischen Kontexten zu unterscheiden, Bedeutung zu differenzieren oder emotionale Tiefe zu erfassen? Gleichzeitig eröffnet gerade die Sichtbarmachung formaler Bedingungen neue Spielräume: Interfaces – verstanden als kulturelle Filter und Vermittlungsräume – können nicht nur begrenzen, sondern auch neu gewichten. Algorithmen, Feeds und Vorsortierunge legen implizite Ordnungen und Wertungen offen, formen, was überhaupt als Bild erscheint, und erzeugen Sichtbarkeit entlang vorstrukturierter Auswahlmechanismen.
Die Katastrophe des Formats verweist nicht allein auf den Bruch bestehender Strukturen, sondern stellt grundlegend infrage, worin die Ordnung bzw. Unordnung des Digitalen besteht – und ob sich in seiner entkörperlichten, standardisierten Logik bereits jene Störung andeutet, die neue ästhetische und epistemische Möglichkeiten eröffnet.