La rivière soulevée
SS 2025
In meiner Bachelorarbeit untersuche ich, wie Erinnerungen an Flüsse bewahrt werden können – und umgekehrt, wie Flüsse ihrerseits zu Trägern von Erinnerungen werden. Im Zentrum steht eine künstlerisch-forschende Praxis, die materielle und immaterielle
Gedächtnisspuren im und am Flussraum behutsam sichtbar macht.
Ausgangspunkt war eine Künstlerresidenz in der Poterne des Peupliers in Paris, wo die Bièvre bis 1912 floss und später unterirdisch geführt wurde. Ich verfolgte ihre Spuren im urbanen Raum und entwickelte eine interdisziplinäre Installation aus Klangarbeit,
Fundobjekten und pflanzengefärbtem Textil.
Theoretisch verorte ich die Arbeit in einem anti‑monumentalen Ansatz, der herkömmliche Monumentformen hinterfragt – wie etwa bei Thomas Hirschhorn, der temporäre, fragmentarische Denkmäler in Stadtteilen schafft, die die Bewohner*innen einbindet – sowie in der relationalen Ästhetik, die Kunst als soziale Begegnung versteht und nicht als abgeschlossenen Gegenstand. In der Bibliothek der Handwerker.innengasse realisierte ich die Installation: Der Fluss als Archiv, in der vom Fluss transportierte Objekte gesammelt und nach Erinnerungstypen (intim, industriell, urban) kategorisiert wurden. Ergänzt wird die Arbeit durch eine mehrsprachige Klanginstallation, die Zeugnisse, Lieder und Erzählungen über verschwundene Flüsse in verschiedenen Sprachen vereint und so ein kollektives Archiv verschwindender Wasserorte entstehen lässt.
Auf dem Völklinger Platz entstand eine vorläufige Installation mit pflanzengefärbten Stoffbändern,die von den Ufern der Saar und der Rossel stammen und sich mit den Stimmen dieser Flüsse auseinandersetzt.