Die ästhetische Gestaltung von Hausaufgabenheften als jugendspezifisches Phänomen


SS 2013

Studierende

Caroline Veith


Studiengänge

Kunsterziehung


Richtung

Kunstpädagogisches Projekt


Projektart

Abschlussarbeit Lehramt

Sowohl Fachautoren als auch Kunstpädagogen sind der Meinung, dass Jugendliche die traditionelle ästhetische Praxis, das Zeichnen und Malen, zu Beginn der Pubertät weitgehend aufgeben. Sätze wie „Ich kann das nicht“ sind jedem Kunstlehrer nur zu gut bekannt. Für aktives gestalterisches Handeln scheint kein Platz mehr in der durchweg kommerzialisierten und mediatisierten Lebenswelt von Jugendlichen.
Wie diese wissenschaftliche Arbeit aber belegen konnte, geben Jugendliche ihre ästhetische Praxis mit Beginn der Pubertät nicht vollends auf. Heute kann ein breites Spektrum an Ausdrucksvarianten im Jugendalter festgestellt werden. Mit neuen ästhetischen und symbolischen Codes von Mode, Musik und Werbung bringen Teenager ihre Jugendkultur zum Ausdruck. Eine exemplarische Untersuchung von Hausaufgabenhefte der achten und neunten Klassen ergab, dass diese als bildnerisches Medium genutzt werden. Hausaufgabenhefte stellen somit einen außergewöhnlichen Beleg ästhetischen Handelns in der Pubertät dar, den bereits Wolfgang Schiebel in einer ausführlichen Studie untersucht hatte.
Jugendliche verwendeten Planer, um auf ihre Art Einflüsse, Probleme und Informationen aus dem täglichen Leben zu verarbeiten. Diese Verarbeitung, Kommunikation und Selbstdarstellung geschah auf recht unterschiedliche Weise. Die Heftbesitzer bedienten sich bei der Umgestaltung der Hefte besonders der Technik „Collage“, auch Graffiti, Sprüche, Poesieeinträge und Briefe waren favorisierte Darstellungsinhalte. Zum Ende des Schuljahres endstanden so regelrechte Schmuckstücke. Die Erkenntnis eines solchen jugendspezifischen Phänomens, muss von der Kunstpädagogik ernst genommen werden. Offenheit und Interesse gegenüber den jugendlichen Bildpraxen, das Kennen und Hinterfragen der neuen Medialität bietet neue Zugänge für den Unterricht. Es muss gelingen, in der Schule Gestaltungsräume bereit zu stellen, um Jugendliche im künstlerischen Sinne produktiv werden zu lassen.

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