Variables Schriftsystem


SS 2019

Studierende

Sebastian Knöbber


Studiengänge

Kommunikationsdesign


Projektart

Diplom

Sebastian Knöbber: Variables Schriftsystem

Font-Synthesizer mit variablem Schriftsystem
Von Holzdruckbuchstaben zu flexibler digitaler Gestaltung

Die Gestaltung von Werbeplakaten, Handzetteln und gedruckten Aushängen aller Art aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert hat seit jeher durch die unverwechselbare typografische Ästhetik ihren eigenen unverwechselbaren Charakter. Bis heute werden die typografischen Stilmittel aus dem goldenen Zeitalter der Plakatkunst gerne immer wieder aufgegriffen und neu interpretiert. Händisch gestaltet und analog – meist im Hochdruckverfahren – produziert, kommen hauptsächlich Holzdruckbuchstaben (später Bleisatz) zum Einsatz um Informationen zu vermitteln; Holzschnitte, oder seltener Linolschnitte, zum darstellen Bildhafter Elemente. Die für unterschiedliche Gewichtung der Texte, aber auch aus Platzgründen, oder um die Zeilenlängen gegenseitig auszugleichen verwendeten Schriftarten, -größen, -gewichte sowie Schriftweiten erfordern einen großen Vorrat an Buchstabensätzen.


Gerade große Zeichengrößen für Plakate oder Schilder, die auch aus der ferne eindrücklich und lesbar sein sollen, benötigen viel Lagerplatz und sind in der Handhabung umständlich sowie zeit- und arbeitsintensiv bei ihrer Produktion und beim Drucken. Mithilfe von Pantografen können vorhandene Muster in verschiedener Größe reproduziert werden. Auch die Breite von Buchstaben, Ziffern, Interpunktionen und ornamentalen Elementen kann variiert werden, dabei allerdings verzerren die Proportionen und Strichkontraste. Zwar können so die benötigten Zeichen dem Bedarf angepasst gefertigt werden und müssen nicht in ausreichender Zahl vorgehalten gelagert sein, jedoch verändert sich je nach Bearbeitung das Schriftbild oder gar der Charakter einer gewählten Schrift.

In der heutigen digitalen Anwendung besitzen die meisten vorinstallierten Systemschriften eines Computers beispielsweise neben dem regulären Schnitt (regular) meist eine fette Variante (bold), sowie eine kursive (italic) oder schräggestellte (slanted) und eine fette kursive bzw. fette schräggestellte Version, wie man sie in herkömmlichen Textverarbeitungsprogrammen verwenden kann. Im Hintergrund sind dies bereits vier einzelne Schriften, die sich einander ergänzen und zu einer Schriftfamilie zusammengefasst werden. Für den professionellen Einsatz von Schrift und Typografie haben dementsprechend ausgebaute Computer-Satzschriften (Fonts) eine Vielzahl mehr Varianten (Schnitte), also einzelne Schriftsätze. Die Anzahl der einzelnen Schnitte einer Schriftfamilie ist zwar technisch nicht begrenzt, jedoch ab einer gewissen Höhe unübersichtlich in der Anwendung.

Mit neuen standardisierten Funktionen von aktuellen Schriftdatei-Formaten werden sogenannte „variable fonts“ möglich, die sich je nach deren Entwicklung durch den Anwender in den gewünschten Parametern stufenlos einstellen lassen. So kann eine einzelne Schrift-Datei in einem geeigneten Satz- oder Layout-Programm in den vom Gestalter vorgesehenen Parametern eingestellt und angepasst werden. Die Steuerung dieser Variablen ist allerdings noch nicht in alle gängigen Programme implementiert und die Bedienung mit der Maus als Eingabegerät umständlich und uninspririert. Es kann zum Beispiel jeweils nur ein Regler angewendet werden. In manchen Anwendungen sind die Werte nur in deutlich sichtbaren Sprüngen wählbar.

Im Rahmen der Diplomarbeit wurde eine solche Schrift (variable font) nach Formen historischer Vorbilder gezeichnet (Pantograph) sowie der Prototyp eines webbasierten Programms für ihre zweckmäßige Benutzung entworfen und erstellt (FontSynth). Steuerbar ist die Schrift im Editor über einen Hardware-Controller mit Drehknöpfen und Drucktastern. Mit ihm kann man parallel verschiedene Darstellungsoptionen einstellen und erreicht so eine intuitive, rein schriftliche Gestaltung von Druckerzeugnissen nach Vorbild des analogen Pendants

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